Nichtseattle
Unter den spitzfindigen Indie-Geeks klingelt es höchstwahrscheinlich tocotronisch, wenn man den Namen „Nichtseattle“ liest. Musikalisch bewegt sich die Gruppe um Katharina Kollmann jedoch eher im Dazwischen. Grungige Gitarrenhooks, folkige Melodien und poetische Textwindungen schrauben sich zu fast Math-artigen Werken. Klarheit ist dabei nicht das Element der Wahl. Vielmehr wogen die Texte und Songstrukturen subversiv durch die seltsam selbst erschaffene Atmosphäre. Haltung und Kryptik gehen hier Hand in Hand, ohne auch nur einmal geziert zu wirken. Wer dann ein Album „Kommunistenlibido“ nennt, beweist obendrein Humor, darf hin und wieder an Judith Holofernes erinnern und offene Fragen hinterlassen.